Kann man schon eine Beerdigung vorbereiten, auch wenn die Person noch lebt? Darf man den Bestatter beauftragen, die Grabstätte auswählen, Listen schreiben und Urkunden heraussuchen, während die eigene Schwiegermutter im Pflegeheim im Sessel sitzt und ihren Kaffee trinkt?
Es fühlt sich seltsam an, fast wie ein Verrat. Bei dem Gedanken schnürt sich uns vielleicht die Kehle zu. Meine Schwiegermutter ist 90 Jahre alt. Ihr Zustand ist zurzeit stabil, aber sie ist sehr krank. Wir wissen – und wir spüren es jeden Tag –, dass das Telefonat, das alles verändert, jederzeit kommen kann.
Da sie eine Erdbestattung möchte, muss die Beisetzung innerhalb von 10 Tagen erfolgen. Aus diesem Grund haben mein Mann und ich beschlossen, dass wir alles für den Trauerfall vorbereiten, was wir vorbereiten können. Wir möchten im Trauerfall trauern können und nicht unter Stress und Überforderung Dinge organisieren müssen, für die wir dann keinen Kopf haben. Über die Beerdigung zu sprechen und sich mit dem Thema zu beschäftigen war für meinen Mann und mich ein schwerer Gang und geprägt von Momenten tiefer Betroffenheit.
Doch als wir mit allem fertig waren, spürten wir eine leise Erleichterung.
Die Ernüchterung folgte kurz darauf aus der eigenen Familie. „Ihr seid pietätlos!“, hieß es da von der Verwandtschaft. „Wie könnt ihr jetzt schon so technisch und gefühllos denken? Das ist doch makaber und noch überhaupt nicht notwendig.“
Diese Worte haben gesessen und haben mich verletzt. Sie treffen genau den wunden Punkt, den man ohnehin in sich trägt, wenn man sich mit dem Sterben eines geliebten Menschen beschäftigt.
Wenn die Verdrängung regiert
Der Tod und das Sterben sind in unserer Gesellschaft – und leider oft auch in unseren christlichen Gemeinden – ein großes Tabuthema. Wir verdrängen ihn gerne. Viele Menschen glauben unbewusst: „Solange wir nicht darüber sprechen, passiert es auch nicht.“ Wenn dann jemand kommt und ganz pragmatisch Ordner anlegt oder die Grabstätte aussucht, bricht diese Schutzmauer der Verdrängung ein. Die Kritik der anderen entspringt meistens nicht böser Absicht, sondern der eigenen Angst vor dem schmerzhaften Abschied.
Doch als Christen dürfen wir eine andere Perspektive einnehmen. Die Bibel fordert uns in Psalm 90,12 sogar dazu auf: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Sich mit der Endlichkeit zu beschäftigen, ist kein Zeichen von Kleinglauben oder Pietätlosigkeit – es ist ein Zeichen von weiser Selbstfürsorge und geistlicher Reife.
Drei Gründe, warum Vorsorge ein Segen ist
Wenn wir heute schon regeln, was morgen ansteht, tun wir das aus drei tiefen Überzeugungen:
- Gott ist ein Gott der Ordnung, nicht des Chaos: In 1. Korinther 14,33 lesen wir, dass Gott ein Gott des Friedens ist. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bricht emotionales Chaos über uns herein. Wer in dieser Situation auch noch im bürokratischen Sumpf versinkt und unter Schlafmangel schwere Entscheidungen treffen muss, wird erdrückt. Vorsorge schenkt uns und unseren Angehörigen Struktur und damit ein Stück göttlichen Frieden mitten im Sturm.
- Jesus hat selbst vorsorgend gehandelt: Selbst in der extremsten Stunde seines Lebens, als Jesus am Kreuz hing, dachte er an die Zeit „danach“. Er regelte die zukünftige Fürsorge für seine Mutter Maria und übergab sie in die Obhut seines Jüngers Johannes (Johannes 19,26-27). Praktische Vorsorge für die Hinterbliebenen hat also ein direktes Vorbild in Christus. Vorbereitung ist kein Mangel an Liebe, sondern oft ein Ausdruck davon.
- Schutz des Trauerraums – Gelebte Selbstfürsorge: Wenn der Tag des Abschieds kommt, wollen wir Zeit haben zu weinen, zu beten, uns zu erinnern und als Familie zusammenzustehen. Wir wollen uns nicht mit dem Bestatter treffen und in alten Ordnern nach Urkunden suchen. Wir investieren jetzt Zeit, um uns für später den Raum zum Trauern freizuschaufeln.
Ein Geschenk des Friedens
Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht stehst du in einer ähnlichen Situation. Vielleicht spürst auch du den Impuls, Dinge zu regeln, hast aber Angst vor den Reaktionen deines Umfelds. Ich möchte dich heute ermutigen: Lass dich nicht verunsichern.
Praktische Vorsorge ist kein Mangel an Glauben an das ewige Leben. Es ist das liebevolle Fundament dafür, dass deine Seele im Moment des Verlustes einfach nur traurig sein darf, ohne im Stress zu versinken. Es ist keine Pietätlosigkeit, sondern ein Geschenk des Friedens, das du dir selbst und deiner Familie machst.
Wie gehst du in eurer Familie mit dem Thema Vorsorge und Abschied um?
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
Segensworte für dich zur Ermutigung:
Der Gott allen Trostes segne dich mit seinem Frieden,
„der höher ist als alle Vernunft“
und bewahre dein Herz und deine Gedanken in Christus Jesus.
(vgl. Philipper 4,7; LUT 2017).
Er schenke deiner Seele Stille vor ihm,
dass du sagen kannst:
„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“
(vgl. Psalm 62,2; LUT 2017).
Der HERR selbst sei dir nahe,
wenn dein Herz zerbrochen ist,
und dein Gemüt sich zerschlagen fühlt,
denn es steht geschrieben:
„Der HERR ist nahe denen, die ein zerbrochenes Herz haben,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“
(Psalm 34,19; LUT 2017).
So sei der Friede Christi über dir,
die Nähe Gottes um dich
und die Hilfe des Heiligen Geistes in dir –
heute, morgen und an jedem neuen Tag.
Herzliche Segensgrüße
Sandra/ sanlight
Bildnachweis: Hände der Fürsorge und des Trostes, gekauftes Bild von Pexels, IStock Mykhaylo Sahan