Zuerst habe ich darüber nachgedacht, diesen Beitrag so zu nennen: „Ein Leben ohne Stress – Utopie oder greifbare Wirklichkeit?“. Aber da wäre die Antwort zu einfach gewesen: „Ein Leben ohne Stress gibt es nicht!“. Doch ich glaube, dass es eine gelingende Stressbewältigung geben kann. Und diesem Thema widme ich mich in diesem Beitrag.
Hier ist es zunächst wichtig, zwischen den unterschiedlichen „Stressarten“ zu unterscheiden. Volksmündlich würden wir vielleicht sagen: „Stress ist, wenn ich viel zu tun habe.“. Diese Annahme gilt in gewisser Weise auch, wenn das, was ich zu tun habe, mich „negativ“ stresst, mich überfordert und mir keinen Spaß macht. Dann ist das „Distress“ – ein Stress, der dir das Gefühl gibt, die Aufgaben nicht bewältigen zu können. Dieser Stress scheint dich zu blockieren und du spürst regelrecht, wie dir die Energie entzogen wird. Oft äußert sich dieser Stress in Verspannungen, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Ängsten und Erschöpfung. Anders hingegen ist es beim „Eustress“. Dieses Wort bezeichnet eine positive Art des Stresses. Hierbei freut man sich auf die anstehenden Aufgaben, weil man denkt, dass man sie meistern kann – wie Google sagt: „Man hat das Gefühl, die Kontrolle zu haben.“. Oft wird dieser Stress beim Sport erzeugt, bei der Vorfreude auf eine Reise oder einer neuen Aufgabe, die einen begeistert. Auch vor aufregenden Lebensphasen oder neuen Projekten, kann Eustress ausgelöst werden. Doch aufgepasst: Auch dieser Stress raubt dem Körper auf Dauer die Energie!
Bei beiden Stressarten ist es wichtig, sich genügend qualitative Pausen einzubauen, um nicht „auszubrennen“.
Wie die meisten wahrscheinlich wissen, ist auch ein geregelter Alltag, eine gute Prioritätensetzung, ausreichend Sport und eine gute Ernährung (und wahrscheinlich noch ein paar andere Aspekte) wichtig, um ein ausgeglichenes Leben – ein Leben mit gelingender Stressbewältigung – führen zu können. Nicht umsonst wurden einige Bücher über dieses Thema geschrieben. Es zeigt, wie umfangreich es ist und dass es nicht ausgiebig in einem kurzen Blogbeitrag behandelt werden kann. Ich schreibe hier auch nicht als eine Art „Experte“ im Umgang mit Stress, sondern als jemand, der sich dem Stress ausgesetzt weiß und um einen guten Umgang damit ringt. Hierbei möchte ich eine mir sehr wichtige Frage stellen:
Kann man Distress in Eustress umwandeln?
Ja, ich glaube, dass es zu einem gewissen Grad möglich ist, Distress in Eustress umzuwandeln.
Hier ein kurzes Beispiel aus meinem Alltag:
Ich habe oft viel zu tun. Mit den drei heranwachsenden Kindern, meinem Haushalt, den ehrenamtlichen Aktivitäten und dem Vollzeitstudium. Und eine Sache „stresst“ mich negativ sehr oft: Das Wäschewaschen. Wer auch einen Haushalt mit mehreren Personen hat weiß: Die Wäscheberge scheinen nie zu enden. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass mich die Aufgabe des Wäschewaschens negativ stresst, also mir viel Energie entzieht, ich sie vermeiden will, ich Bauchschmerzen bekomme, wenn ich nur daran denke. Ich fing an mich darüber zu beklagen, dass „immer“ so viel Wäsche da ist, man nie zum Ende kommt, es „immer“ meine Verantwortung ist, usw. Dann habe ich angefangen darüber nachzudenken und zu beten – denn Gott ist für all unsere Herausforderungen (mögen sie noch so klein sein) der richtige Ansprechpartner. Bei diesen Gebeten ist mir klar geworden, dass ich etwas an der Struktur und meiner Einstellung zu der Sache verändern musste. Anstatt mich darüber zu beklagen und mich als „Opfer“ der Situation zu betrachten, konnte ich nach den Begegnungen mit Gott (denn das war ein längerer Prozess) anfangen, anders über das Wäschewaschen nachzudenken. Und zwar so: Ich liebe meine Kinder und meinen Mann. Ich bin gerne für sie da und sorge für sie. Aber ich kann sie auch ins „Wäschemachen“ mit einbeziehen und muss diese nicht allein machen (das dachte ich nur zu lange). Daraufhin habe ich begonnen, eine Art Wäscheplan für mich zu erstellen, der zu meinem Alltag passt. Der sieht so aus: Am Wochenende ist aufräumen angesagt. Dabei bringen alle Familienmitglieder ihre Wäsche in den Keller, wo sie von jedem selbst in die betreffenden Körbe (bunt, hell, schwarz) einsortiert werden. Am Montag – oder Dienstag, je nach Wochengestaltung – fange ich dann an, jeden Tag 1-2 Maschinen aufzustellen und aufzuhängen. Dabei beziehe ich meine Familie mit ein. Den ein oder anderen bitte ich dann mal darum, die nasse Wäsche aufzuhängen und ggf. die bereits getrocknete Wäsche zu falten und in die entsprechenden Körbe (für jeden gibt es einen Wäschekorb) einzusortieren. Dann – am Ende der Woche – ist normalerweise die Wäsche, die im Keller war, gewaschen und gefaltet in den Körben. Die müssen dann von den Familienmitgliedern selbstständig in ihren Zimmern wieder in die Schränke einsortiert werden.
Woran kann man hier, eine gute Stressbewältigung erkennen?
1. der Stressauslöser wurde erkannt
2. Gott wurde um Hilfe gebeten, und dabei konnten die „Gedanken“ neu sortiert werden
3. es wurde eine Struktur gelegt, die die Aufgabe auf die Schultern von allen betreffenden Personen verteilt
Wie wurde hierbei der Distress in Eustress umgewandelt?
Ganz einfach: Die Wäsche sollte erledigt werden. Und dadurch, dass ich nun denke, dass ich es für meine und mit meinen Liebsten tue – anstatt das es meine alleinige Verantwortung ist – habe ich grundsätzlich Freude daran. Außerdem hilft mir die Struktur dabei, mich nicht überfordert zu fühlen: Ich habe die Kontrolle (meistens zumindest). Dabei kann ich sogar den Duft der frischgewaschenen Wäsche genießen, der mir vorher entgangen war.
Wenn du dich also oft gestresst oder sogar überfordert fühlst, kommen hier die Fragen:
„Was stresst dich?“
„Ist es positiver oder negativer Stress?“
„Planst du dir genügend Pausen ein?“
„Bittest du Gott aktiv um Hilfe bei deiner Stressbewältigung?“
Diese letzte Frage ist mir – bei allen „vernünftigen“ Stressbewältigungsstrategien – die wichtigste!
Denn ich kenne diese Phasen, in denen man sich „wie getrieben“ vom Stress fühlt und keinen „klaren“ Gedanken für eine „Neusortierung“ fassen kann.
Die beste „qualitative Pause“ ist eine Hinwendung zu Gott. Diese Pause kann ein einfaches kurzes Gebet sein: „Jesus, bitte hilf mir.“. Aber auch in längeren Spaziergängen, Bibellesezeiten, usw. bestehen.
Hier also zu meinem Punkt von heute: Ich bin davon überzeugt, dass mit Gott eine gelingende Stressbewältigung passieren kann!
Er ist derjenige, der uns am besten kennt.
Er weiß, was wir brauchen, z.B. welche Gedanken wir denken und welche Strukturen wir setzen sollten.
Und das Beste ist: Er ist immer da. Er lässt sich immer ansprechen. Bei ihm finden wir Frieden im Sturm.
Ich glaube also, dass – wenn wir eng mit unserem Gott verbunden sind – wir viele gute Gedanken bekommen, handlungssicherer werden und dadurch ein Leben mit gelingender Stressbewältigung Wirklichkeit werden kann!
In Liebe
Eure Christine