Hast du dir schonmal gewünscht so gesehen zu werden, wie du wirklich bist – du eigentlich sein willst?
Ich glaube, dass wir alle eine gewisse Vorstellung davon haben, wer wir sind, wie wir sind und wie wir noch werden wollen. Dabei ist es nicht immer einfach im Hier und Jetzt wirklich die Person zu sein, die man wirklich sein will – oder?!
Hier ein kurzes Beispiel dafür, was ich meine: Letztens war ich auf einem Geburtstag eingeladen. Ich mag die Person, die Geburtstag hatte, sehr gerne, doch sehr lange oder gut kennen wir uns noch nicht. Auf dem Geburtstag waren sehr viele unterschiedliche Personen, was ich im Grunde total toll finde. Doch mit keinem der Anwesenden – bis auf meinen Ehemann – war ich enger befreundet, treffe ich regelmäßig. Eigentlich habe ich im Grunde keine Probleme damit, auf andere Personen zuzugehen und Gespräche zu führen – ich bin eine sehr offene und kommunikative Person (wie ich bin). Doch bevor ich zum Geburtstag kam, war schon ein langer Tag vergangen, an dem ich in der Uni gewesen bin und gearbeitet hatte. Aufgrund meiner Erschöpfung entstanden in Gesprächen immer wieder Pausen (die teilweise auch etwas unangenehm waren), was ich so vorher noch nie wirklich erlebt hatte. Dann am Ende, als ich mit ein paar anderen Personen „wärmer“ geworden war, alberten wir herum und ich vollführte spontan eine kleine Theatereinlage – später habe ich mich etwas dafür geschämt… Und genau da möchte ich ansetzen: Ich weiß doch, dass ich geliebt, gewollt und gut so bin, wie ich bin! (wer ich bin) Doch die Müdigkeit nagte an mir und ließ Selbstzweifel aufkommen. Ich fragte mich, was die anderen von mir halten würden, ob sie mich nun abstoßen oder komisch finden würden. Es triggerte bestimmte Erlebnisse und Annahmen von mir selbst aus der Vergangenheit, die ich eigentlich überwunden glaubte. Ich ärgerte mich darüber, dass solche Gedanken überhaupt kamen. Im tiefen Innern wusste ich aber, was der Ursprung dieser Gedanken war: Es war die Sorge vor Ablehnung und der Wunsch nach Annahme – So, wie ich bin.
Das brachte mich dazu, mir weitere Gedanken zu machen:
Traurigerweise habe ich die Beobachtung gemacht, dass nur wenige Christen andere Menschen wirklich lieben und annehmen können (mich eingeschlossen). Da stehen so viele Erwartungen und Vorstellungen darüber, wie die „anderen“ und „man selbst“ zu sein hat, dass der tatsächlichen Person kaum Raum zum „Sein“ gegeben wird. Und ehrlich Leute, wollen wir alle nicht einfach „Sein“ dürfen – so erkannt werden, wie wir wirklich sind – ohne unsere Trauer, unseren Schmerz, unsere Unsicherheiten, unsere Bitterkeit, unseren Ärger…
Wir denken dann oft, dass Gott uns genauso sieht wie die Menschen – wir selbst. Dann glauben wir, dass Gott uns irgendwie kritisch beäugt und von uns erwartet besser zu sein – oder?
Doch Gott hat sich aus Liebe für uns entschieden, bevor wir ihn überhaupt kannten. Ich bin davon überzeugt, dass Gott uns genauso sieht, wie wir wirklich sind – So, wie ich bin. Ich glaube sogar, dass er eine Version von uns sieht – die wirklich in uns steckt – aber wir teilweise noch gar nicht sehen können.
Ehrlich, in dieser Hinsicht sehne ich mich total nach dem Himmel: Keine Sorgen darüber zu machen, was andere denken und mich absolut geliebt, gesehen und angenommen wissen – wie wunderschön!
Hier auf der Erde brauchen wir es immer wieder eine Rücksicherung bzw. Bestätigung von Gottes Seite zu erhalten (sonst suchen wir irgendwie oder irgendwo anders nach dieser Bestätigung). Gottes Bestätigung verschafft uns Sicherheit und einen Frieden, der unser Denken übersteigt. Allerdings – wie gesagt – brauchen wir das immer wieder!
Nach dem Geburtstag gab ich Gott alle die Situationen ab, die mich beschäftigten. Ich bat ihn dabei darum meinem Herzen zu bestätigen, dass er mich sieht und mich liebt, wie ich wirklich bin – egal was die andern denken mochten. Wirklich: Ich wünsche mir, dass Gottes Liebe und seine Bestätigung mich vollends durchdringt (wie ich sein will). In manchen Bereichen ist seine Liebe schon sehr tief in mir, in anderen brauche ich es immer und immer wieder, Gott um seine Perspektive und Annahme zu bitten.
Geht es euch bzw. dir auch manchmal so?
Vielleicht hilft dir der Beitrag zu erkennen, dass du mit deinen Herausforderungen nicht allein bist. Du bist nicht komisch, nicht die Einzige/der Einzige mit Problemen – die haben wir alle, ob wir sie nun sehen wollen oder nicht.
Aber eine Sache gilt für uns alle: Wir sind von Gott vollkommen geliebt – fasse dieses Vertrauen heute neu und suche ihn da, wo du ihn – seine Sichtweise, seine Gedanken, seine Liebe und Annahme – brauchst.
Er sieht dich – So, wie du bist.
In Liebe
Eure Christine