Während ich das hier schreibe, ist Rosenmontag 2025. Viele Menschen lassen sich darauf ein, zu feiern, zu vergessen, sich zu verkleiden und Spaß zu haben. „Es mal so richtig krachen zu lassen“ – in der Unruhe der Weltpolitik und der gesamten Lage in der Welt einmal alles vergessen.
Ich selbst bin in Ostwestfalen groß geworden und habe keinen Vertrag mit Karneval. Meine Eltern kommen aus dem Rheinland, und als ich geboren wurde, da lief die Sendung „Mainz bleibt Mainz“. Wenn wir dort wohnen geblieben wären, dann hätte ich bestimmt auch ein wenig von der rheinländischen Frohnatur mitbekommen. So aber bin ich in Bielefeld groß geworden und bleibe ostwestfälisch zurückhaltend in Bezug auf Karneval.
Nach dem ganzen Trubel heißt es: an Aschermittwoch ist alles vorbei. Denn dann beginnt die Fastenzeit. Früher hieß das der Verzicht für 40 Tage auf Fleisch, Eier, Butter, Milch und Käse, Alkohol und Süßes. Erlaubt war nur eine einzige Mahlzeit am Tag. Es sollte als Vorbereitung auf Ostern gelten und die Fastenzeit dauerte 46 Tage bis Ostern.
Heute sind die Regeln weitestgehend gelockert und es wird in der katholischen Kirche empfohlen, am Freitag auf Fleisch zu verzichten.
Die evangelische Kirche wirbt mit „7 Wochen ohne“. (https://7wochenohne.evangelisch.de) Dabei kann das „ohne“ selbst bestimmt werden und ich denke schon länger darüber nach, auf was ich wohl verzichte.
Verzicht ist eine Eigenschaft, die meine Generation kaum gelernt hat, da ich gewohnt bin, alles immer zu bestimmten Zeiten zur Verfügung zu haben. Internet, WhatsApp, Telefon, Amazon, Auto, Fernsehen, Handy, volle Regale in den Supermärkten, warme Räume zuhause, ein Dach über dem Kopf, eine Arbeit, Computer, Informationen – es fehlt mir an nichts. Und doch überlege ich schon eine Weile, auf welche Dinge ich in den 7 Wochen vor Ostern verzichten will und warum.
Immer wieder versuche ich mich in meinem Jahresmotto auf „Weniger ist mehr“ zu konzentrieren. Und dann sehe ich ein spannendes Buch, ich sehe einen Outlet Laden mit DEM T-Shirt, ich finde, ich brauche einfach mal etwas Neues und dann – schwupp die wupp – liegen viel mehr Dinge in meinem Haus, als ich brauche.
Jetzt geht es beim Fasten aber nicht nur um den Verzicht auf etwas, sondern auch darum, dass ich die dadurch gewonnene Zeit gestalte. Die Zeit, die ich mir spare, weil ich weniger Essen zubereite oder auf das Fernsehen verzichte oder nicht so viel einkaufe, will ich dafür nutzen, meinem Gott wieder nahe zu kommen.
Naht euch zu Gott, dann naht er sich zu euch.
Jakobus 4,8a
In der Zeit, in der ich sonst durch Instagram scrolle, will ich an meinen Schöpfer und Herrn denken. Ich will mir Zeit zum Gebet nehmen, für diese Welt, für die Regierung, für Deutschland, für meinen Wohnort, für meine Freunde und schließlich für meine Familie und mich. Das Geld, das ich sonst für Spontankäufe ausgebe, will ich lieber sparen und mal schauen, wie viel da so zusammenkommt. Vielleicht will ich auch weniger Autofahren und manchen Weg zu Fuß gehen, der sonst schneller mit dem Auto gewesen wäre. Einfach um etwas Tempo aus meinem Leben zu nehmen und die Zeit zu nutzen, um Menschen zu besuchen, oder Gemeinschaft mit anderen zu haben, die ich lange nicht gesehen habe. Es sind so viele Ideen von Verzicht in meinem Kopf und doch fällt es mir schwer, das umzusetzen.
Wie geht es dir mit dem Fasten?
Kennst Du das Fasten eventuell nur im Zusammenhang mit Abnehmen? Und dem Verzicht auf Essen, viel trinken und Gemüsesuppe löffeln mit dem Ziel, gesünder und dünner zu werden? Fasten ist aber viel mehr. In der Bibel finden wir ein Beispiel von Jesus, der ganze 40 Tage in der Wüste fastet und sich auf seine besondere Aufgabe vorbereitet. Er reinigt sich in der Gemeinschaft mit Gott und widersteht anschließend gestärkt vom Fasten dem Teufel bei seinen Versuchungen. Durch das Fasten und die intensivere Gemeinschaft mit Gott in dieser Zeit, bekommen wir neue Kraft und Zuversicht. Dafür lohnt sich der Verzicht.
Verzicht ist schwer, weil er gegen unsere natürlichen Gewohnheiten und Bedürfnisse geht. Mit der richtigen Einstellung kann Verzicht jedoch leichter werden und langfristig positive Veränderungen in unserem Verhältnis zu Gott bewirken. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Zeit, die durch den Verzicht entsteht, für Gemeinschaft mit Gott genutzt wird.
Ich will dieses Jahr bewusst in die Fastenzeit gehen und auf Dinge verzichten, die mir zur Gewohnheit geworden sind. Vielleicht jeden Tag die Woche auf etwas anderes. Ich überlege mir das noch.
Wenn du das hier liest, dann bin ich schon dabei. Ich nehme es mir jedenfalls vor. Ich wünsche uns allen, dass wir erkennen, in welchem Reichtum wir unterwegs sind. Um das wieder schätzen zu lernen, tun wir gut daran, auf Gewohnheiten, die uns beunruhigen oder uns Zeit, Geld oder Raum nehmen, zu verzichten.
Ich wünsche dir gute Ideen für einen Verzicht und schreibe mir gerne, wie es dir damit ergangen ist und für was du dich entschieden hast.
Der Herr sei mit dir.
Liebe Grüße
Astrid