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Weshalb „glauben“?!

Der Bischof Stefan Oster von Passau gebraucht den Begriff der „Desintegration“, um den grundlegenden Zustand eines Menschen zu beschreiben. Was bedeutet das?

Es bedeutet, dass Menschen beständig danach streben, sich zu integrieren – sich einzugliedern. Einfach ausgedrückt meint es, dass die Menschen nach einer Zugehörigkeit suchen, die die innere Sehnsucht stillt. Sie suchen nach Identität und Sinnhaftigkeit.

Aus biblischer Sicht bedeutet es: Der Mensch ist grundlegend getrennt von Gott, seinem Schöpfer. Er hat dadurch nicht Gottes Perspektive auf das Leben und dessen Facetten, sondern sucht seinen eignen Weg, um sich zu integrieren: Zugehörigkeiten zu schaffen, Beständigkeit zu erfahren und seinem Leben Sinn zu verleihen.

In einem Ausschnitt aus Prediger 3,11 heißt es: „er [Gott] hat die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt. Aber sie sind nicht in der Lage, das Ausmaß des Wirkens Gottes zu erkennen; sie durchschauen weder, wo es beginnt, noch, wo es endet.“

Desintegration bedeutet also: Getrenntsein von Gott.

Da ist diese Sehnsucht in einem Menschen danach, sich einzugliedern – dazuzugehören – einen Sinn im Leben zu haben, nicht wahr?! Du spürst es doch auch, oder?!

Albert Einstein drückte es so aus: „Das Ziel des Lebens ist es nicht, ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller.“

Um uns herum nehmen wir diese Suche – oder soll ich lieber sagen „den Kampf“ – nach der Integration wahr. Wir sehen es in dem Kind, dass sich Anerkennung von den Klassenkameraden wünscht – dazugehören möchte; in dem Teenager, der darauf bedacht ist, wie er beim anderen Geschlecht ankommen kann; dem Jugendlichen, der sich über seine Gaben und Fähigkeiten Gedanken macht; dem politisch engagierten Studenten, der meint, den Sinn für sein Leben entdeckt zu haben; der Ehefrau, die sich nach der Aufmerksamkeit ihres Mannes verzehrt und in dem Ehemann, der sich die Anerkennung seiner Frau wünscht, usw.

Das Wort Religion trägt folgende Wortbedeutung (auch) in sich: religare –> wiederverbinden, zurückbinden. Es meint die Rückbindung, den Versuch der Widerherstellung der Beziehung zwischen dem Menschen und Gott.

Jemand, der sich mit Religionen beschäftigt, sucht also aktiv nach einer Wiederherstellung der Beziehung zwischen sich und Gott. Diese Person weiß also instinktiv: Diese Sehnsucht nach Integration, Sinn im Leben usw., die kann ich bei Gott finden.

Für die christliche Religion (im Sinne von Zurückwendung) bedeutet es, dass ich als Mensch erkenne, dass Gott seinen Sohn Jesus auf diese Welt sandte, um uns zu zeigen, wie er ist: In Jesus erkennen wir den Vater (vgl. Johannes 14,9).

Außerdem zeigt sich Gottes Liebe darin, dass Jesus starb, um all unsere Verfehlungen und Schmerzen mit sich in den Tod zu nehmen (vgl. Jesaja 53, 4-5 und ff., 1. Petrus 2, 24).

Dann ist Jesus von den Toten auferstanden.

Durch das Vertrauen darauf, den Glauben daran, dass Gott uns liebt, Jesus kam, für uns starb und auferstand, wird die Beziehung zu Gott wiederhergestellt – es findet eine Rückbindung statt.

Man kann keine gute Beziehung zu jemanden haben, wenn man ihm nicht vertraut. Ein Kind wird bei einer Verletzung nicht in die Arme der eigenen Mutter laufen, wenn es glaubt, abgewiesen zu werden. Die „große“ Sünde (Trennung von Gott) ist also Unglauben = Nicht-Vertrauen.

Jesus kam auf diese Welt, um uns zu zeigen, wie gut Gott ist und dass Gott vertrauenswürdig ist.

Er bewies uns seine Liebe, indem er am Kreuz für unseren Unglauben und alles andere starb, dass uns von Gott trennt. Damit sagt er: „Ich liebe dich! Bis in den Tod und darüber hinaus!“.

Wenn ich dieser Tatsache also Glauben schenke, werde ich wieder „zurückgebunden“ an Gott.

Ich werde integriert und der Zustand der Desintegration wird aufgehoben.

Durch den Glauben wird die Beziehung zu Gott wiederhergestellt und mir wird die Möglichkeit gegeben, von nun an Gottes Perspektive auf mich, andere und das Leben im Allgemeinen zu bekommen.

Weshalb „glauben“? Deshalb: Um wieder verbunden mit Gott das eigene Leben gestalten und bei ihm Orientierung finden zu können!

Wie findet also diese Rückbindung statt? Sie passiert dadurch, dass ein Mensch sich innerlich auf die Suche macht – Gott sucht. Das geschieht beispielsweise dann, wenn man sich intensiv mit der Bibel auseinandersetzt und mit dem Beten (Reden mit Gott) anfängt. Wenn du dir diese Verbindung mit Gott wünschst, ist es das Erste, es Gott „einfach“ zu sagen. „Gott, ich möchte dich bitte finden und kennenlernen“. Und dann wirst du die Liebe Gottes erkennen, die er dir durch Jesus gezeigt hat und du wirst ihn dazu einladen, dein Leben aktiv mitzugestalten und dir seine Sicht auf dich, andere und das Leben im Allgemeinen zu schenken.

An dieser Stelle möchte ich mich nun an die wenden, die bereits „im Glauben“ an Jesus bzw. Gott unterwegs sind: „Fühlst du dich vielleicht kraftlos, irritiert, orientierungslos oder erschöpft?“ Dann ist es höchstwahrscheinlich an der Zeit, sich wieder mit Gott zu verbinden. Glauben bedeutet Beziehung. Und wie wir wissen, sind Beziehungen keine Selbstläufer. Beziehungen brauchen Pflege: schöne Zeiten miteinander, Gespräche – gezielte Kommunikation, um sich immer besser kennenzulernen und verstehen zulernen, wie das Gegenüber die Dinge meint, die es sagt!

Egal ob du nun schon mit Gott unterwegs bist oder nicht: Suche ihn und verbinde dich wieder neu mit ihm!

Zum Abschluss kommen noch die erwähnten Bibelverse – sie werden dir Mut und Hoffnung schenken.

In Liebe

Eure Christine

Johannes 14, 9: Jesus erwiderte: »Philippus, weißt du denn nach all der Zeit, die ich bei euch war, noch immer nicht, wer ich bin? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen! Warum verlangst du noch, ihn zu sehen? 

Jesaja 53, 4-5: Dennoch: Er nahm unsere Krankheiten auf sich und trug unsere Schmerzen. Und wir dachten, er wäre von Gott geächtet, geschlagen und erniedrigt! 5 Doch wegen unserer Vergehen wurde er durchbohrt, wegen unserer Übertretungen zerschlagen. Er wurde gestraft, damit wir Frieden haben. Durch seine Wunden wurden wir geheilt!

1. Petrus 2, 24: An seinem eigenen Körper hat er unsere Sünden an das Kreuz hinaufgetragen, damit wir für die Sünde tot sind und für die Gerechtigkeit leben können. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden! 

Epheser 1, 19-23: Ich bete, dass ihr erkennen könnt, wie übermächtig groß seine Kraft ist, mit der er in uns, die wir an ihn glauben, wirkt. Es ist dieselbe gewaltige Kraft, 20 die auch Christus von den Toten auferweckt und ihm den Ehrenplatz an Gottes rechter Seite im Himmel gegeben hat. 21 Jetzt ist er als Herrscher eingesetzt über jede weltliche Regierung, Gewalt, Macht und jede Herrschaft und über alles andere, in dieser wie in der zukünftigen Welt. 22 Gott hat alles der Herrschaft von Christus unterstellt und hat Christus als Herrn über die Gemeinde eingesetzt. 23 Die Gemeinde aber ist sein Leib, und sie ist erfüllt von Christus, der alles ganz mit seiner Gegenwart erfüllt. 

(Auszüge aus der Neues Leben Übersetzung)

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